OLKR Tobias Bilz: Geistliche Aspekte der Regionalisierung

Die 10 Punkte zum Vortrag auf der Bezirkssynode 12.04.2019 finden Sie hier

 

 
Wort des Superintendenten
Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. (Apg 2,42)

 

Liebe Verantwortliche in den Kirchgemeinden im Haupt- und Ehrenamt, liebe Schwestern und Brüder,

Im Januar 1526 fand eine Visitation im Amt Borna statt (weltweit die erste), erst noch ein Testlauf, später wurde mit diesem Vorgehen ab 1527 die Reformation zielgerichtet eingeführt

Es war eine groß angelegte Theologie- und Kirchenreform – und damit auch eine gigantische Strukturreform, übrigens „von oben“ angeordnet und durchgeführt, mit Theologen und Juristen.

Was damals eingerichtet und geregelt wurde, hat Jahrhunderte lang Bestand gehabt – sehr lange sehr erfolgreich – , doch spätestens in den letzten 20 Jahren haben wir gemerkt, dass dieses Gerüst nicht mehr trägt.

Es trägt nicht mehr, weil wir weniger werden, weil wir nicht mehr in jedem Pfarrhaus einen Pfarrer haben, weil die Anforderungen an die Gemeindepädagogik sich rasant wandeln – es gäbe noch viele weitere Gründe aufzuzählen.

Wir haben uns mit dem Beschluss der Kirchenbezirkssynode vom 24. November 2018 auf den Weg gemacht, die größte Strukturreform in der ev.-luth. Landeskirche Sachsens seit der Reformation auf den Weg zu bringen. Auch sie ist ein Stück weit „von oben“ verordnet: von der Kirchenleitung und den Theologen und Juristen im Landeskirchenamt, doch sie ist genauso darauf angewiesen, „von unten“ akzeptiert und mit Leben erfüllt zu werden

Wir haben im Kirchenbezirk dazu einen wichtigen Schritt getan – und ich danke ganz herzlich allen, die sich in den vergangenen Jahren an der Vorbereitung dieses großen Schrittes beteiligt haben: den Kirchvorsteherinnen und Kirchvorstehern, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den Pfarrerinnen und Pfarrern – Sie alle haben an dieser Vorbereitung mitgewirkt: durch Leitung, durch Nachdenken, durch Widerstand, durch Entscheidungen, durch Beten. Meine Hoffnung ist, dass wir mit diesem konstruktiven Geist weiterarbeiten können.

Die neuen großen Strukturen bilden ab, dass wir als ev.-luth. Kirche in Sachsen in eine Minderheitenposition geraten sind. Und sie bilden ab, dass wir uns als Kirche neben der Verkündigung, der Seelsorge und der Gemeinschaftspflege auch der Diakonie und der Mission als Auftrag der Kirche zuwenden müssen. Die großen Strukturen bilden das ab, weil wir dafür die Gemeinschaft brauchen. Wir brauchen die Gemeinschaft der Christen am Ort – sei sie noch so klein. Wir brauchen diese Gemeinschaft als Ort des Gebets und der ganz direkten Zuwendung zum Nächsten – und wir sollten diese Gemeinschaften am Ort pflegen und stärken. Doch wir brauchen, um gerade den diakonischen und missionarischen Auftrag der Kirche stärker als bisher mit Leben zu erfüllen, eben auch die Zusammenarbeit in der Region, zwischen Pfarrern, Mitarbeiterinnen und Kirchgemeinden. Und wir brauchen mehr Freiräume als bisher dafür, die wir nur erringen, wenn wir uns in Verwaltungsdingen konzentrieren und neu aufstellen. Die großen Strukturen werden das hoffentlich leisten: lebendige Gemeinschaft im Kleinen wie im Großen, und Konzentration in der Verwaltung. Damit wir uns gemeinsam dem Auftrag der Kirche widmen können.

Als Jesus im Lukasevangelium die 72 Jünger aussendet, sendet er sie immer zu zweit (Lukas 10). Und auch die Kirchengeschichte hat immer wieder gezeigt: ohne Gemeinschaft ist keine Mission, kein Gemeindeaufbau, auch keine Kirchenreform möglich. Machen wir uns also gemeinsam daran, nach dem ersten großen Schritt die weiteren Schritte zu gehen – weniger mit dem Blick auf uns selbst, als vielmehr mit dem Blick auf all die Menschen, die uns in unseren Dörfern und Städten anvertraut sind. Wir werden alle gemeinsam noch viel lernen müssen. Das wird oft mühsam werden. Manchmal vielleicht auch spannend. Ich hoffe, dass wir den Blick dafür behalten, warum wir uns dieser Mühen unterziehen. Und dass wir als Gemeinde Jesu Christi von ihm wieder gestärkt und auch getröstet werden.

Ich grüße Sie in der Verbundenheit unseres Glaubens,

Ihr Jochen Kinder, Superintendent.

Logo der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens Logo

 
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.