Wort zum Tag – 19.12.2025
19. Dezember 2025
Ein Funke Mut
Es ist nur eine kleine Flamme. Kaum größer als ein Streichholz. Und doch legt sie jedes Jahr einen weiten Weg zurück: das Friedenslicht aus Bethlehem. Entzündet in der Geburtsgrotte Jesu, an einem Ort, der für viele Menschen Hoffnung und Neubeginn symbolisiert, reist dieses Licht über mehr als 3.500 Kilometer – von Hand zu Hand, über Länder und Grenzen hinweg. In diesen Tagen ist es wieder bei uns angekommen.
Seinen Ursprung hat das Friedenslicht in einer Initiative des Österreichischen Rundfunks aus dem Jahr 1986. Seitdem wird es jedes Jahr von einem Kind in Bethlehem entzündet. Seit 1993 tragen es Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus vielen Ländern weiter – leise, behutsam und verlässlich. Nicht als großes Spektakel, sondern als Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist, sondern immer wieder neu weitergegeben werden muss.
Das diesjährige Motto lautet: „Ein Funke Mut“. Ein Satz, der gut in unsere Zeit passt. Denn Mut ist heute keine Selbstverständlichkeit. Mut heißt, dem Unfrieden nicht das letzte Wort zu überlassen. Mut heißt, hinzusehen, wo Menschen ausgegrenzt oder herabgewürdigt werden. Und Mut heißt auch, zu handeln, selbst wenn es unbequem ist oder scheinbar wenig bewirkt.
Ein Funke ist klein. Und doch kann er etwas entzünden. Zum Guten wie zum Schlechten. Deshalb kommt es darauf an, welchen Funken wir weitergeben. Ein Funke Mut kann Hoffnung wecken. Er kann andere ermutigen, nicht wegzusehen, nicht zu schweigen, sondern Verantwortung zu übernehmen. Licht lässt sich teilen, ohne weniger zu werden – im Gegenteil: Es wird mehr.
Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit wird das Friedenslicht in vielen Kirchgemeinden weitergegeben, an diesem Wochenende und am Heiligen Abend. Es erinnert daran, dass Frieden im Kleinen beginnt: im eigenen Herzen, im täglichen Miteinander, in Worten und Gesten, die verbinden statt trennen.
Der Gründer der Pfadfinderbewegung, Robert Baden-Powell, hat einmal gesagt: „Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als ihr sie vorgefunden habt.“ Genau darum geht es beim Friedenslicht. Es ist ein stilles Zeichen der Hoffnung – dafür, dass Veränderung möglich ist. Wenn wir den Mut haben, den ersten kleinen Funken weiterzutragen und ihn im Alltag lebendig werden zu lassen.
Frank Müller – Jugendmitarbeiter im Kirchenbezirk Leipziger Land