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Wort zum Tag – 30.01.2026


30. Januar 2026

Liebesbriefe erwünscht

Die Nachricht, dass in Dänemark seit diesem Jahr keine Briefzustellung mehr erfolgt und die signalroten Briefkästen im Land abgebaut werden, hat mich traurig gemacht. In erster Linie für die dänischen Nachbarn selbst, aber auch ein Stück für mich. Denn ich gehöre noch zu einer äußerst altmodischen Gruppe, den Briefeschreibern. Meine Mutter hat mich schon als Kind dazu angeregt, den Tanten immer mal einen Brief- oder Kartengruß zu senden und irgendwann gewann ich richtig meine Freude daran, nicht nur meine Gedanken oder liebe Wünsche zu Papier zu bringen, sondern auch mit Bildern oder Fotos das Erzählen zu erweitern. Mit Freunden, Gemeindegliedern und selbst mit meiner früheren Klassenlehrerin pflege ich auf diese Weise bis heute Kontakt. Das gelingt mal mehr, mal weniger intensiv. Was ist schöner: den Brief schreiben und sich vorstellen, wie er wohl beim Gegenüber ankommt? Oder selbst aus dem Kasten einen schönen Gruß entnehmen – unerwartet, überraschend?

Als Liebesgruß schreibt sich Gott in unser Leben ein: mit der überraschenden Nachricht seines Friedens, mit Hoffnung, mit Trost; das war den Freunden von Jesus unter die Haut gegangen. Zunächst teilten sie mündlich, was sie mit Jesus erlebt hatten. Später waren es auch Briefe, die Paulus und weitere Apostel an die Gemeinden in Kleinasien oder Europa sendeten, um Zuspruch zu geben oder auch mit Mahnungen Irrwege zu verhindern suchten. Und zwischen den Zeilen lesen wir von den Umständen, unter denen sie selbst Zeugen der Liebesbotschaft Gottes wurden, welche Freude sie beflügelte, welche Hoffnung sie auch in Leid und Schmerz antrieb. Unter den 27 Schriften des Neuen Testaments finden sich immerhin 21 Briefe, aus denen wir noch heute regelmäßig Abschnitte im Gottesdienst lesen. Briefe sind Lebens-, manchmal auch Glaubenszeugnisse. Sie sind Erinnerungsstücke, die mitunter Jahrhunderte erhalten bleiben. Sie lassen uns eintauchen in das Leben eines Menschen, sie enthalten Bekenntnisse, manchmal innerste Wünsche. Im Zeitalter schnelllebiger digitaler Mitteilungen wünsche ich uns allen viele Liebesbriefe in diesem Jahr. Oder Sie verschicken selbst mal wieder einen?   

Dorothea Schanz, Pfarrerin in Großbothen