Wort zum Tag – 06.02.2026
6. Februar 2026
Wer will schon Egoist sein?
Natürlich niemand, und schon gleich gar nicht möchten wir von einem anderen Menschen hören, wir seien Egoisten. Schließlich wuchsen wir in familiären Zusammenhängen auf, in denen Verantwortung füreinander gelebt wurde.
Nach außen hin wird in den Familien auch vermittelt, man müsse sich auch durchsetzen können, man kann es nicht allen recht machen.
Da ist auch etwas Wahres dran. Wir können uns nicht für alle Sorgen der Welt aufopfern.
Wo ist da ein guter Mittelweg? In der Politik erleben wir gerade, wie es selbstverständlich erscheint, seinen Brüdern und Schwestern oder seinen Freunden etwas wegnehmen zu wollen. Nationale Egoismen werden von großen Wählermengen positiv gesehen, obwohl diese Egoismen in der Geschichte immer in die Katastrophe führten und in besonderer Weise die einfachen Menschen davon betroffen waren.
Im Kleinen ziehen sich die Menschen aus gemeinnützigen Institutionen zurück, wenn sie ihnen gerade nichts bringen und ihnen keinen Vorteil bieten. Sie fragen sich nicht, was sie selbst durch ihre einfache Mitgliedschaft einbringen können und damit anderen Menschen helfen.
Ehrbare menschliche Werte ergeben sich nicht von allein und Menschen können sie im Strudel des Lebens verlieren.
So braucht es in unserer Gesellschaft Institutionen, die für menschliche Werte unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Machtinteressen eintreten. Ebenso sind gegen den egoistischen Zeittrend Menschen nötig, die menschliche Werte leben und sich entsprechend organisieren.
Wie es wichtig ist, die eigene Entwicklung im Blick zu behalten, genauso wichtig ist es, die Entwicklung von Mitmenschen in den Blick zu nehmen. Schließlich erfahren wir in der Regel auch uneigennützigen Zuspruch für unseren eigenen Weg. In der Bibel heißt es an mehreren Stellen: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (3. Mose 19, 18; Matthäus 22, 39; Galater 5, 14)
In unserem Leben wird es diesbezüglich Zeiten mit unterschiedlichen Schwerpunkten geben. Die guten menschlichen Werte lassen sich jedoch nur in einer Gemeinschaft wachhalten und entwickeln. Dann steht ein Miteinander im Mittelpunkt, das Persönlichkeiten in guter Weise reifen lässt.
Dr. Reinhard Junghans
Pfarrer i. R. in Borna