Wort zum Tag – 02.04.2026
2. April 2026
Brot des Lebens
Was bedeutet Brot für Sie? Ein Grundnahrungsmittel des Alltags? Oder mehr?
In einer anrührenden Geschichte wird davon erzählt, welche Bedeutung Brot bekommen kann:
Als ihr Vater, ein bekannter Arzt, stirbt, lösen die Kinder seinen Haushalt auf. Im Arbeitszimmer findet sich in einem Schrank ein steinhartes, vertrocknetes Brot. Die Kinder können sich keinen Reim darauf machen. Aber die alte Haushälterin kennt die Geschichte des Brotes. Kurz nach dem Krieg wurde der Vater richtig krank. Alle rechneten mit seinem Tod. Da brachte ihm ein Freund ein halbes Brot. „Ich sterbe sowieso“, sagte der Vater und verschenkte das Brot an die Nachbarsfamilie. Aber die wollte das wertvolle Brot auch nicht für sich behalten. Da war doch die alte Frau, oben im Dachgeschoss. Die hatte Hunger. Die sollte das Brot haben. Doch auch die alte Frau reichte das Brot weiter – an ihre Tochter. Die lebte mit ihren Kindern in der Nähe und auch sie hatten in der Nachkriegszeit nichts zu essen. Aber die Tochter kannte den sterbenskranken Arzt. Er hatte ihrem Kind geholfen, als es selbst todkrank war. Der, da war sie sich sicher, brauchte das Brot am dringendsten. Und so trug sie das Brot wieder zurück zum Ausgangspunkt. Die Haushälterin erinnert sich: „Es war unser Brot. Unten drunter klebte noch das Schild vom Bäcker.“
Von dem Brot, das der altgewordene Arzt aufbewahrt hatte, hat niemand gegessen. Und doch wurde es zum Brot des Lebens. Weil die Menschen, die dieses wertvolle Geschenk bekamen, nicht zuerst an sich selbst dachten.
In den Gottesdiensten heute Abend zum Gründonnerstag werden wir gemeinsam Brot essen. Dieses Brot steht für Jesus Christus. Sein ganzes Leben steht dafür, für andere da zu sein. Ja, sogar das eigene Leben zu geben. Wenn wir das Brot essen, hören wir dabei die Worte von Jesus: das ist für dich. Du bedeutest mir so viel, dass ich für dich alles einsetze, was ich habe. Das Brot wird so zum Brot des Lebens. Nicht nur für uns, sondern auch für die, für die wir dann ganz da sein können.
So bringt es auch die Haushälterin am Ende der Geschichte vom halben Brot auf den Punkt: „Für euren Vater war das Brot heilig, kostbar. Weil es von der Hoffnung erzählt. Der Hoffnung, dass es Menschen gibt, die füreinander da sind. Es war für euren Vater ein Brot voller Hoffnung. Deswegen hat er es nie angerührt.“
Jochen Kinder, Superintendent im Kirchenbezirk Leipziger Land