Nachrichten

Wort zum Tag – 17.04.2026


17. April 2026

Stiller Freund

Familienosterfreizeit 2026. Knapp 40 große und kleine Menschen sind miteinander unterwegs, machen Ausflüge, teilen Zeit und Glaubenserfahrungen. Ein beliebtes Spiel ist das des stillen Freundes. Zu Beginn zieht jeder ein Los mit einem Namen aus der Gruppe. Über die Tage hinweg soll man dieser Person heimlich etwas Gutes tun, ein stiller Freund oder eine stille Freundin sein. Ziehe ich jemanden, den ich gut kenne, ein Familienmitglied, die jüngste, dreijährige Teilnehmerin oder eine fast noch fremde Person? Alles ist möglich. Manchen fällt es leicht, Kontakt aufzunehmen, für andere ist es eine Herausforderung. Ich muss mich einlassen auf mein Gegenüber und es bewusst wahrnehmen. Was könnte der andere gerade brauchen, was würde ihr guttun? So geraten Menschen in meinen Fokus, die ich sonst gar nicht beachtet hätte, aus Bequemlichkeit oder Vorsicht. Es kostet etwas Überwindung, Kreativität und Einfühlungsvermögen.

Kleinigkeiten über die Tage verteilt – sie verändern etwas. Sie geben mir das Gefühl, gesehen und umsorgt zu werden. Plötzlich liegen kleine Blümchen vor Zimmertüren, werden Spiele mit den Kleinsten gespielt, Komplimente verteilt, unerwartete Gespräche geführt, ein Zettel mit „Schön, dass es dich gibt“ auf den Teller geschmuggelt, ein erkranktes Kind ins eigene Gebet eingeschlossen oder das letzte Dessert für den anderen gerettet. Überall sind stille Freundinnen und Freunde am Werk. Es tut gut, für andere da zu sein und zu erfahren, dass sich jemand um mich Gedanken macht. Wir Christen leben im Vertrauen, dass Gott uns sieht, mit unserer Freude und unseren Problemen. Egal, was im Leben und darüber hinaus passiert, wie menschenverlassen wir uns fühlen, wir können nicht gottverlassen sein. Gott bleibt. Weil er uns Menschen liebt. Lasst uns etwas von dieser Liebe in die Welt hinaustragen. Probieren Sie es aus! Vor der Abreise wird das Geheimnis gelüftet: Ich war dein stiller Freund! Der Siebenjährige strahlt übers ganze Gesicht: Das habe ich gemerkt.

Elisabeth Fichtner, Pfarrerin der Kirchgemeinde Kühren-Börln