Wort zum Tag – 19.06.2026
19. Juni 2026
dass wir nicht verloren gehen …
Wenn ich diese Zeile aus einem Lied der Jungen Gemeinde singe, erinnert es mich an eine Geschichte aus meiner frühen Kindheit:
Ich muss gerademal 5 Jahre alt gewesen sein, da wollte ich Holger, einem gleichaltrigen Freund, meinen Kindergarten zeigen. Wir fuhren – ohne uns abzumelden – mit dem Roller etwa 3 km durch unsere Kleinstadt. Die Sorge der Eltern, dass wir hätten verloren gehen können, war bei der Rückkehr von dieser „Exkursion“ für uns nicht nachvollziehbar. Denn ich kannte doch den Weg. Und nach einer kurzen Standpauke haben mich meine Eltern gleich liebevoll in den Arm genommen. Als Jugendlicher habe ich mir in mancher Krisensituation die Frage gestellt: Können Menschen verloren gehen? Bei dieser Frage bin ich sehr vorsichtig geworden, denn schnell wird aus einer gut gemeinten Warnung eine theologische Drohung, um jemanden zu manipulieren. Als Jugendleiter möchte ich andern Menschen mit diesem Thema auf Augenhöhe begegnen. Ich denke dabei an das Begegnungswunder, in dem Zachäus, der Oberzöllner von Jericho, Jesus begegnete. Zachäus hatte bei der Suche nach Anerkennung und Macht, alle Freunde und auch sich selbst verloren. Doch als der mittellose Prediger Jesus durch seine Stadt zieht, bekommt er eine Ahnung davon, dass es im Leben mehr gibt, als Optimierung und Gewinn. Und er klettert auf einen Baum, um besser zu sehen, aber nicht gesehen zu werden. Und Jesus findet ihn in seinem Versteck, schaut ihn mit den Augen eines fürsorgenden Freundes an und lädt sich als Gast bei ihm ein.
Diese Begegnung auf Augenhöhe bewegt Zachäus zur Umkehr, zu einer Lebenswende. Nicht alle glauben dem Gauner Zachäus diese Verwandlung. Doch Jesus erwidert: Ich bin gekommen, um die Verlorenen zu suchen und zu retten. (Lukas 19)
Im Gleichnis Jesu vom liebenden Vater (Lukas 15) zieht der jüngere seiner beiden Söhne aus und verzockt sein Erbe. Doch nach seiner inneren Umkehr und Rückkehr aus der Fremde sieht ihn der alte Herr schon von ferne. Er eilt ihm entgegen, schließt ihn in seine Arme und lässt ein Fest für ihn bereiten. Warum? Weil er wieder da ist.
Als ich als Fünfjähriger wieder zu Hause in den Armen meiner Eltern landete, reifte vielleicht schon die Ahnung davon, dass sich die Suche nach Gott lohnt. Sie wurde mehr und mehr zur Erfahrung, dass wir bei ihm nicht verloren gehen können, weil er uns unendlich liebt.
Gerd Pettrich – Jugendwart im Kirchenbezirk Leipziger Land