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Wort zum Tag – 24.07.2026


24. Juli 2026

Keine falsche Bescheidenheit!

„Eigenlob stinkt!“ oder „Gib nicht so an!“ – Solche Sätze sind Vielen vertraut. In unserer oft leistungsorientierten Gesellschaft ist zugleich auch zu hören: „Mach dich nicht kleiner, als du bist.“ Oder „Stell dein Licht nicht unter den Scheffel.“ Gemeint ist damit, sich etwas zuzutrauen, bei Prüfungen selbstbewusst aufzutreten und die eigenen Fähigkeiten nicht zu verstecken. „Sein Licht nicht unter den Scheffel stellen.“ – Wo kommt diese Redewendung eigentlich her? Es sind Worte Jesu aus seiner berühmten Bergpredigt. An diesem Sonntag werden sie in den Gottesdiensten der evangelischen Kirchen in Deutschland vorgelesen. Jesus sagt es zu Menschen, die ihm gefolgt sind und ihm zuhören. Im Zusammenhang heißt es: „Man zündet auch nicht ein Licht an und stellt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen.“

Ein Scheffel ist ein Getreidemaß, etwa in der Größe von acht Litern, also ein eher kleinerer Eimer. Ein leuchtendes Licht mit einem Eimer abzudecken, ist absurd. Denn dann ist das Licht und seine Wirkung im wahrsten Sinn des Wortes im Eimer. Ein Licht, das von keinem gesehen und gespürt wird, ist unsinnig und verfehlt seine Aufgabe. Ich kann meine eigenen Fähigkeiten und Gaben zum Leuchten bringen und brauche sie nicht zu verstecken. Im Gegenteil: ich soll und kann das, was ich gut kann, entwickeln und fördern und sichtbar machen. Ich kann auch stolz darauf sein.

Am besten ist es, wenn es nicht allein mir selbst nutzt, sondern ebenso für andere eine Hilfe ist. Wenn es für Mitmenschen heller wird und auch ihnen ein Licht aufgeht. Das ist keine Angeberei, sondern tut anderen gut und mir selbst auch. Es hilft zu einem freundlicheren Miteinander in den persönlichen Kontakten und ebenso in unserer Gesellschaft. Ein Licht leuchten zu lassen ist allemal besser, als über die Finsternis zu schimpfen. Also: Keine falsche Bescheidenheit!

Pfarrer Christoph Steinert aus Brandis