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Wort zum Tag – 17.07.2026


17. Juli 2026

Immer schneller

Letzten Sonntag feierte eine Frau ihr 80-jähriges Konfirmationsjubiläum bei uns.  Achtzig Jahre! Eine ganz schön lange Zeit, in der sich die Welt enorm verändert hat. Als sie 1946 konfirmiert wurde, steckte das Fernsehen in den Kinderschuhen, und ein Telefon zu besitzen war keine Selbstverständlichkeit, vom Internet ganz zu schweigen.

Heute haben viele ein Smartphone, das all das kann.

Ich denke an meine Konfirmandinnen und Konfirmanden. Gefühlt kommt auf jede zweite Frage die Antwort: Soll ich mal die KI fragen? Und wenn ich ehrlich bin, ertappe ich mich auch zunehmend dabei, Künstliche Intelligenz zu nutzen. Mal schnell eine Formulierung suchen, für die ich selbst viel länger gebraucht hätte – die Künstliche Intelligenz macht es möglich. Noch ehe ich meinen Kaffee gekocht habe, ist die Antwort schon da. Die KI ist längst das geworden, was das Navi seit einigen Jahren ist: ein hilfreicher Begleiter, wenn ich den Weg nicht kenne. Doch macht mir die rasante Entwicklung „Bauchschmerzen“.

Der Mensch war schon immer erfinderisch. Das ist wunderbar. Aber darin steckt auch Verantwortung. Den biblischen Auftrag, „sich die Erde untertan“ zu machen, höre ich daher weniger als Freibrief, alles Machbare auszureizen, sondern als Auftrag verantwortungsvoll mit dem umzugehen, was uns anvertraut ist.

KI kann in vielen Bereichen unsere Arbeit erleichtern. Mir macht es jedoch Sorge, wenn sie zur Gesprächspartnerin wird. Wenn Menschen der KI von ihren Ängsten und Hoffnungen erzählen und sich von einer Maschine verstanden fühlen. Sie kann sicher passende Worte finden, durch einen Algorithmus aneinanderreihen und eigenständig Entscheidungen treffen. Aber sie bleibt eine Maschine. Sie kennt weder Mitgefühl noch Liebe. Sie kann ein Gespräch oder eine Begegnung mit einem Menschen nicht ersetzen.

Gerade in einer Zeit, in der Maschinen immer klüger werden, bleibt es in unserer Verantwortung, menschlich zu bleiben und einander im wahren Leben zu begegnen.

Cornelia Gramm, Pfarrerin in der Kirchgemeinde Parthenaue-Borsdorf