Wort zum Tag
2. Oktober 2026
einfach – anders – geschwisterlich
Es könnte alles auch ganz anders sein. Unsere Gesellschaft. Ich.
Das ist eine der kraftvollen Botschaften, die mitschwingen, wenn wir an Franz von Assisi denken, dessen Todestag sich am 3. Oktober zum 800. Mal jährt.
Franziskus ist eine Leuchtfigur über die Jahrhunderte. Ein Hoffnungsträger, der den Glauben an ein einfaches, erfülltes Leben im Einklang mit den eigenen Werten und mit der Natur hell strahlen lässt. Einer, der unser Denken in vermeintlichen Alternativlosigkeiten infragestellt. Einer, der es vorgelebt hat: ein anderes Leben ist möglich! Eine andere, christusgemäßere Kirche ist möglich. Ein Leben und eine Kirche, die Jesu Botschaft nicht verniedlicht, sondern radikal ernstnimmt. In befreiender Einfachheit. In inniger Geschwisterlichkeit mit allen Lebewesen. Zwei Werte, die wir heute, 800 Jahre nach Franziskus, so dringend nötig haben.
Als 2013 Jorge Mario Bergoglio als neu gewählter Papst sich den Namen Franziskus I. gab, da wehte ein Hoffnungswind durch die Kirche (nicht nur durch die römisch-katholische).
Heute frage ich mich: Was ist davon geblieben?
Ich wage es nicht wirklich, von einer Kirche zu träumen, die in die Fußspuren des Franz von Assisi tritt (und damit meine ich nicht nur die ev.-luth. Kirche, in der ich beheimatet bin, sondern die weltweite Gemeinschaft aller, die Jesus Christus nachfolgen möchten).
Ich wage es auch nicht wirklich, von einem eigenen Leben zu träumen, das in diese Fußspuren tritt.
Vielleicht stecke ich dafür zu sehr in meinen Halbherzigkeiten fest. Vielleicht stecken wir auch als Kirche dafür zu sehr in unserer Halbherzigkeit fest.
Aber ich will den Traum wagen: ein bisschen mehr Franziskus ist möglich – in unserer Kirche und auch in meinem eigenen Leben.
Denn Veränderung beginnt nicht oben, sondern unten – im eigenen Herzen.
Geschwisterliche Verbundenheit mit allen Geschöpfen lässt sich nicht anordnen, sondern der Keim dafür wächst aus der eigenen Seele.
Danke, Franziskus, dass du es vorgelebt hast: Es könnte alles auch ganz anders sein.
Sebastian Kreß aus Naunhof, Pfarrer im Kirchspiel Muldental