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Wort zum Tag – 11.09.2026


11. September 2026

Der Herr ist mein Fels

Es gibt Worte, die schnell gesagt sind und wieder vergehen. Es gibt Sätze, die uns einen Moment begleiten, uns kurz berühren und dann im Strom der Tage untergehen. Und dann gibt es Worte, die bleiben. Worte, an denen man sich festhalten kann, wenn anderes unsicher wird. Psalm 18,3 gehört zu diesen Worten: „Der HERR ist mein Fels, meine Festung und mein Erretter, mein Gott, meine Zuflucht, mein sicherer Ort.“

Dieser Vers ist kein frommer Wunsch, sondern ein Bekenntnis aus der Tiefe eines Lebens, das Gefahren, Angst, Bedrängnis und Rettung erfahren hat.

Der Psalmbeter spricht nicht theoretisch über Gott. Er beschreibt nicht, was man allgemein über Gott sagen könnte. Er sagt: Der Herr ist mein Fels. Mein Fels, meine Festung, mein Erretter, meine Zuflucht, mein sicherer Ort. Dieses kleine Wort „mein“ macht den Vers persönlich. Es ist das Wort eines Menschen, der Gott nicht nur aus Erzählungen kennt, sondern aus Erfahrung: Wenn alles wankt, bleibt Gott stehen. Wenn Feinde mächtig werden, bleibt Gott stärker. Wenn Wege eng werden, schafft Gott Raum. Wenn der Mensch keinen sicheren Boden mehr spürt, ist Gott der Fels unter seinen Füßen.

Wer schon einmal vor einem großen Felsen stand, kennt seine stille Kraft. Ein Fels redet nicht, er drängt sich nicht auf, er läuft niemandem nach. Er steht. Wind, Regen, Hitze und Kälte gehen über ihn hinweg. Menschen kommen und gehen. Jahreszeiten wechseln. Doch der Fels bleibt. Genau dieses Bild nimmt der Psalmbeter auf, wenn er Gott seinen Fels nennt.

Das Bild vom Fels spricht eine tiefe Sehnsucht in uns an. Wir suchen Halt. Wir suchen etwas, das nicht bei jedem Sturm nachgibt. Wir suchen einen Ort, an dem wir nicht alles selbst tragen müssen. In einer Welt, in der vieles beweglich, zerbrechlich und unübersichtlich geworden ist, klingt dieses Bekenntnis beruhigend: Der HERR ist mein Fels.

In den Sommerferien war ich in den Alpen wandern und habe viele wunderbare Felsen gesehen. Die Menschen in Südtirol haben viel Respekt vor den steilen Felshängen. Von ihrer Stabilität hängt ihre Existenz ab. Während meines Urlaubs gingen gleich drei große Steinmuren bergab. Glücklicherweise wurde kein Mensch verletzt, aber Straßen wurden gesperrt, Touristen mussten ihr Hotel verlassen und an der olympischen Biathlonanlage in Antholz haben die Gerölllawinen schwere Schäden angerichtet.

Die Einwohner erzählten mir, dass die Murenabgänge immer mehr zunehmen, weil der Permafrost abnimmt. Das ewige Eis war gewissermaßen der Garant für die Stabilität der Felsen.

Der HERR ist mein Fels. Ja, möchte ich sagen und noch mehr: Mehr als ein Fels ist Gott der Ewige.

Pfarrer Michael Tetzner im Kirchspiel Geithain – Frohburg – Lunzenau

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