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Wort zum Tag – 08.05.2026


8. Mai 2026

Wo du hingehst, will ich hingehen!

Zu wem würden Sie das sagen? Zu Ihrem Partner oder zu Ihrer besten Freundin? In der Bibel fällt dieser Satz zwischen zwei Frauen: Rut und Noomi.

Ihre Geschichte steht zum Muttertag im Zentrum zahlreicher evangelischer Frauentreffen in Sachsen und soll Frauen Mut machen, sich einander in ihrer Unterschiedlichkeit anzuvertrauen. 

In einer Welt, die oft von männlichen Machtstrukturen und ökonomischen Abhängigkeiten geprägt ist, entwerfen Rut und Noomi ein Gegenmodell: eine weibliche Wahlfamilie, die auf unerschütterlicher Solidarität basiert. Die beiden Frauen entscheiden sich füreinander. Noomi, durch den Verlust ihres Mannes und ihrer Söhne ihrer sozialen Absicherung beraubt, steht vor dem Nichts. Doch statt in der Isolation zu verharren, entsteht zwischen ihr und ihrer Schwiegertochter Rut eine Allianz, die Überlebensräume schafft. Rut kehrt nach dem Tod ihres Mannes nicht ins eigene Elternhaus zurück und bleibt an der Seite ihrer Schwiegermutter, geht sogar mit Noomi in deren alte Heimat und wird damit zur Fremden.

Beide nutzen Ihre Fähigkeiten, um ihr Überleben zu sichern. Während Rut die harte körperliche Arbeit des Ährenlesens übernimmt, um die akute Not zu lindern, nutzt Noomi ihr strategisches Wissen über das soziale System, um für beide eine langfristige Sicherheit zu erwirken. Es ist ein Zusammenspiel von jugendlicher Kraft und altersweiser Strategie, die den beiden neue Perspektiven eröffnet.

Diese Geschichte erinnert uns daran, dass Fürsorge, der Zusammenhalt verschiedener Generationen und Integration keine privaten Themen sind, sondern das Fundament einer funktionierenden Gesellschaft. Die Erzählung der beiden Frauen, die so unterschiedlich sind und die sich trotzdem vertrauen und füreinander einstehen, vermittelt uns damit eine zeitlose Botschaft: Es kommt nicht darauf an, welches Geschlecht wir haben, wie alt wir sind, wo wir herkommen oder wieviel Geld wir haben. Was wirklich zählt, ist, dass wir uns so verhalten, dass alle in Würde leben können.

Luise Müller – Referentin und theologische Mitarbeiterin in der Frauenarbeit der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens