Wort zum Tag – 09.01.2026
9. Januar 2026
Die Segel hissen
Heute wird schon für viele die erste Arbeits- und Schulwoche im neuen Kalenderjahr beendet. Wie geht es Ihnen mit den guten Vorsätzen für das neue Jahr? Konnten Sie einige davon umsetzen? Ich lese im Wochenspruch: Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. (Römerbrief 8,14)
Ein guter Vorsatz für das Jahr 2026. Nicht ich muss alles tun und leisten, sondern ich darf mich von Gottes Geist treiben lassen. Wie der Wind das Segelboot treibt, so können auch wir uns treiben lassen vom „Wind Gottes“, denn das griechische Wort Pneuma kann man auch mit Wind übersetzen: Gottes Geist kann uns voranbringen, wenn wir uns nur von ihm treiben lassen, wenn wir also – um im Bild des Segelbootes zu bleiben – nicht vergessen, die Segel zu hissen. Die Segel hissen, heißt für mich, Gott zu vertrauen wie ein Kind.
Diese Geschichte macht das deutlich: Hoch über dem Marktplatz einer kleinen Stadt hatte ein Seiltänzer sein Seil gespannt und machte dort oben seine gefährlichen Kunststücke. Gegen Ende seiner Vorstellung nahm er eine Schubkarre und fragte einen Zuschauer: „Trauen Sie mir zu, dass ich diese Karre über das Seil schiebe?“ „Warum nicht?“ antwortete dieser. „Würden Sie sich dann mir anvertrauen und sich in die Schubkarre setzen und von mir über das Seil fahren lassen?“ fragte darauf der Seiltänzer. Ängstlich zog sich der Zuschauer zurück. Denn dazu fehlte ihm dann doch der Mut. So weit ging sein Vertrauen nicht. Da meldete sich ein kleiner Junge freiwillig. „Ich setze mich in die Karre“ rief er, und kletterte hinauf. Unter dem gespannten Schweigen der Zuschauer schob er das Kind in der Karre über das Seil. Als sie am anderen Ende angekommen waren und der Junge wieder unten war, da fragte ihn ein Zuschauer: „Sag mal, hattest du keine Angst dort oben?“ Der Junge lachte nur und antwortete: „Nein, denn der mich über das Seil geschoben hat, ist mein Vater!“
Als Kinder Gottes können wir dem himmlischen Vater so vertrauen wie der Junge in der Geschichte. Von ihm dürfen wir für 2026 alles erwarten und erhoffen. So wünsche ich uns ein vom Wind Gottes gesegnetes neues Jahr.
Pfarrer Michael Tetzner im Kirchspiel Geithain – Frohburg – Lunzenau