Wort zum Tag – 12.06.2026
12. Juni 2026
Gottes zweifache Reue
Gleich am Anfang unmittelbar nach der Erschaffung der Welt und damit auch des Menschen berichtet die Bibel, dass es Gott bereut, den Menschen geschaffen zu haben. Die Menschen sind von Grund auf böse. Sie lügen einander an. Sie denken nur an sich selbst. Sie schlagen ihre Kinder. Sie töten sich gegenseitig.
Angesichts der weltpolitischen Lage kann ich der biblischen Erzählung nur zustimmen.
Der aktuelle Präsident der USA herrscht mit aggressiver Rhetorik, mit emotionalen Behauptungen und mit furchtbarer Gewalt in seinem Land und weltweit.
Seit vier Jahren tobt ein brutaler Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine.
Und in Deutschland entwickelt sich eine Atmosphäre, die perspektivisch die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit beseitigen will. So frage ich sorgenvoll, wofür wir 1989 friedlich demonstriert haben, wenn wieder ein diktatorisches Regime wie die untergegangene DDR errichtet werden soll.
Weltweit breitet sich die Macht des Stärkeren auf Kosten des Schwächeren aus. Auch der Schutz der natürlichen Umwelt und die Bewahrung der Schöpfung treten in den Hintergrund. Eine derartige Entwicklung wird in der Bibel zurecht und ganz klar als böse bezeichnet. Deshalb wird unmittelbar von der Sintflut erzählt. Trotzdem macht Gott eine Ausnahme. Er spricht zu Noah und Naama: Ihr sollt überleben. Ihr denkt an mich. Ihr dankt mir. Und ihr tut Menschen und Tieren Gutes.
Nachdem die Flut zurückgegangen ist, verlässt Noah mit seiner Familie und allen geretteten Tieren das Schiffhaus. Noah dankt Gott. Darauf bereut Gott ein zweites Mal, weil er alles kaputt gemacht hat. Das wird Gott nie wieder tun. Gott bereut, Gott gesteht sich seinen Fehler ein.
Welch starkes Vorbild!
Wann lernt jede und jeder von uns, die gemachten Fehler einzugestehen?
Wann lernt die Menschheit, dass nur ein Miteinander ohne Gewalt und Lüge, ohne Selbstsucht und Krieg ein Überleben auf diesem wunderbaren Planeten ermöglicht?
Holger Herrmann – Krankenhausseelsorger im Leipziger Land