Wort zum Tag – 13.02.2026
13. Februar 2026
Augen auf
Als gebürtiger Dresdner denke ich heute besonders an die Zerstörung der Stadt in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945. Der auch in Dresden geborene Schriftsteller Erich Kästner, der die Zerstörung in Berlin überlebte, schrieb über seinen ersten Besuch nach dem Bombenangriff: „Das, was man früher unter Dresden verstand, existiert nicht mehr. Man geht hindurch, als liefe man im Traum durch Sodom und Gomorrha.“
In den achtziger Jahren war ich regelmäßig am Abend des 13. Februars in Dresden, um für den Frieden zu beten. Es entwickelte sich die christliche Friedensbewegung unter dem Leitspruch: Schwerter zu Pflugscharen. Viele Menschen stellten an den Trümmern der zerstörten Frauenkirche Kerzen auf. Ich war nicht einverstanden, dass nach der friedlichen Revolution diese Kirche wieder aufgebaut werden sollte. Mir wäre damals der Stachel in der Mitte Dresdens als unübersehbares Mahnmal für den Frieden lieber gewesen.
Wenn ich allerdings heute in Dresden bin, versuche ich eine Orgelvesper in der nun wieder aufgebauten Kirche zu besuchen. Seit mehr als zwanzig Jahren ist die Frauenkirche ein lebendiges Zentrum für Frieden und Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Jedes Jahr werden mehr als zwei Millionen Besucher in der Kirche gezählt. Wer hätte das gedacht. Mich erinnert das an die Jahreslosung 2026: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.“
Es gibt viel, was wir dagegenhalten könnten. Wo unser Augenschein Widerspruch anmeldet. Aber sehen wir das Gute, was geschehen ist: Es gibt diese wunderbare Frauenkirche, weil Menschen an ein gutes Ende geglaubt haben – wider allen Augenschein. Und so ist für mich heute diese wiedererrichtete Kirche ein noch deutlicheres Zeichen für den Frieden als der Trümmerhaufen zu DDR-Zeiten.
Diesen besonderen Blick gibt uns die Jahreslosung mit in die Zukunft. Wer sagt denn, dass alles bleiben muss, wie es ist? Dass nicht alles auch besser und gut werden kann? Also: öffnen wir unsere Augen für die Fundgrube der Möglichkeiten. So viel Gutes gibt es zu entdecken. So viele freundliche Menschen kennen zu lernen. Überall, wo wir leben und arbeiten und unterwegs sind. Es braucht nur den wachen Blick dafür.
Pfarrer Michael Tetzner im Kirchspiel Geithain – Frohburg – Lunzenau