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25. September 2026

Ein hörendes Herz

Wie kann ein Herz hören? Ein Herz hat doch keine Ohren.

Die Aufgabe des Herzens ist es, unseren Körper am Leben zu erhalten. Es pumpt ein Leben lang, pausenlos 5 – 6 Liter Blut durch den Kreislauf, um den Leib mit Sauerstoff und Nahrung zu versorgen und gleichzeitig die Abbauprodukte wieder weg zu befördern.

Wenn man aber von einem Menschen sagt, dass er ein Herz habe, meint man nicht das Organ, sondern man will sagen, dass es sich um einen einfühlsamen Zeitgenossen handele.

Hören ist neben Riechen, Fühlen, Sehen und Schmecken eine lebenswichtige Sinneswahrnehmung. Nun aber ist das Herz kein Sinnesorgan, sodass es hören könnte. Vielmehr fügt das hörende Herz die Sinneswahrnehmung des Hörens mit   dem Mitgefühl zusammen.

Eine derartige Sozialkompetenz ist eine optimale Lebensgrundlage.

Im dritten Kapitel des 1. Könige-Buches im sogenannten Alten Testament der christlichen Bibel wendet sich der König Salomo an Gott. Er bittet Gott nicht um ein langes Leben, Reichtum und die Vernichtung der Feinde, sondern er bittet um ein hörendes Herz. Der noch junge König fühlt sich nämlich von der vor ihm stehenden Aufgabe, ein großes Volk führen zu sollen, überfordert. Und Gott verleiht Salomo dafür ein weises und verständiges Herz, um gerecht Gericht zu halten und die göttlichen Gebote zu bewahren.

Bei alledem ist das Hören eine besondere Fähigkeit. Zuzuhören, ohne das Eigene erzählen zu wollen, ist eine Gabe. Erst wenn ich den Eindruck habe, dass sich mein Gegenüber einigermaßen verstanden fühlt, geht es auch mir gut. Etliche Patienten bedanken sich, dass ich ihnen zugehört habe. Dadurch fühlen sie sich gesehen und getröstet.

Holger Herrmann – Krankenhausseelsorger im Leipziger Land