Wort zum Tag – 27.03.2026
27. März 2026
Die Rede von der Krise
Nach der Ansicht von Medien und Politikern folgt eine Krise auf der anderen. Die derzeitige Krise ist natürlich zumeist schlimmer als die vorhergehenden. Die Menschen, die Medien konsumieren, lesen lieber etwas über Krisen als über positive Erfahrungen mit dem Wohlstand. So heißt es: „Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten.“ Politiker meinen die anderen politischen Strömungen immer schlecht reden zu müssen, um den Wähler auf ihre Seite zu ziehen. Ist aber jemand deshalb gut, weil die anderen schlecht sind? Real gesehen, geht es den Menschen in Deutschland so gut wie noch nie.
Auch in der Bibel ist oft von Krisen die Rede. Schon in der Schöpfungsgeschichte wird für das Essen am Baum der Erkenntnis der Tod angekündigt. Jedoch kommt nach dem sogenannten Sündenfall nicht der plötzliche Tod, sondern das befristete Leben. Daraus entwickelt sich die Kulturgeschichte des Menschen mit ihren Erfolgen und Abgründen.
Die Propheten wettern über das Volk, das nur seinen egoistischen Interessen nachgeht, und drohen ihm schwerste Katastrophen bis zur Vernichtung an. Es kommt dann das babylonische Exil, das zweifellos als existenzielle und religiöse Krise von elementarer Art erlebt wurde. Andererseits wurden in jener Zeit insbesondere bei dem Propheten Jesaja Visionen von einem Gottesknecht entwickelt, die später für die Deutung des Christusgeschehens äußerst wichtig werden.
Die aktuelle Rede von der Krise scheint vor allem wirtschaftliche und politische Interessen zu verfolgen. Dann kommen zumeist Vorschläge, die der eigenen Lobbygruppe nutzen und keinesfalls das ganze Volk, Europa oder gar unseren Globus in den Blick nehmen. Je schlimmer die Krise geredet wird, desto mehr scheint man sich das Recht herausnehmen zu wollen, demokratische Strukturen als zu umständlich zu verunglimpfen. Wenn demokratische Strukturen zerbrechen, dann werden auch Freiheit und Wohlstand zerbrechen.
In der Bibel kommt das Wort Krise nicht vor. Es wird unter dem Bösen mit verstanden. So sei hier ein Wort des Apostel Paulus entsprechend frei wiedergegeben: „Lass dich nicht von der Krise verrückt machen, sondern überwinde die Krise mit Gutem.“ (Römer 12, 21)
Dr. Reinhard Junghans
Pfarrer i. R. aus Borna