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Wort zum Tag


16. Januar 2021

Beten – Hand in Hand mit dem Leben

In meiner Kindheit, bekam ich immer wieder einmal die Lebensweisheit: “Not lehrt beten“ meiner Eltern oder Großeltern zu hören, wenn es mal nicht so lief, wie ich es mir vorgestellt hatte. Als Kind und später als Jugendlicher konnte ich mit diesem „Spruch“ nichts anfangen. Heute, auch im Blick auf die so gar nicht „normalen“ Lebensumstände, welche uns ein kleines Virus aufzwingt, bekommt der Ausspruch eine Bedeutung für mich. Vielleicht geht es ihnen ähnlich. Viele Menschen schöpfen aus der Beziehung mit Gott Sinn und Kraft, was mir gerade in der Weihnachtszeit und am Beginn des Neuen Jahres immer wieder zugetragen wird.

Für mich persönlich ist Beten keine zeitlich begrenzte, „fromme“ Zeit, sondern ein fließender Austausch mit Gott und mir. Hier geht es nicht um möglichst viele, schöne Worte, sondern um das tiefe Bewusstsein: ER ist da und ICH bin da. Es ist ein Miteinander in allen Dingen: bei der Arbeit, im Umgang mit der Familie, die Begegnung mit Menschen, unterwegs, in der Kirche, in der Natur…. Es ist ein inniges „Verbunden-Sein“ mit meinem Gott und Freund. Es gibt Zeiten des Schweigens und des stillen „Um-einander-Wissens“. Und es gibt Zeiten des Austausches durch Worte: Mitteilen der Sorgen, gemeinsames Überlegen weiterer Vorgehensweisen, Ausdrücken von Dank und Freude, Aussprechen von Bitten oder einfach eine kleine „Liebeserklärung“. Mit einer bewussten Lebensübergabe am Beginn und Ende eines Tages vertraue ich Gott mein Leben und meine Lieben und Freunde an. Und zumindest einmal am Tag nehme ich mir ausdrücklich Zeit, um “mit meinem besten Freund“ eine Weile ganz alleine und in Ruhe zu verbringen. Gerne nehme ich mir dazu eine Tasse Kaffee und „setze mich zu ihm“. Dabei reden wir über die Dinge, die mich im Tiefsten meiner Seele bewegen. Ich versuche hinzuhören, was er, Gott, dazu meint. Das Hören auf sein Wort wird mir zur Quelle und Kraft für alles was „das Leben“ bereichert. So ist mein Fazit: Das Wesentliche, bei allen unterschiedlichen Wegen zu und mit Gott, ist das Verbunden sein mit IHM, ganz ohne Leistungsdruck. Und für mich die Erfahrung machen zu können, dass Weisheiten der Eltern und Großeltern letztlich auf einer langen, langen Tradition beruhen, die durchaus ihre Berechtigungen haben, auch und vielleicht besonders in der heutigen schnelllebigen Zeit.

Auch, wenn das Jahr schon mehrere Tage zählt, so wünsche ich allen LesernInnen eine segensreiche Zeit und besondere Momente, in denen sie wieder Erholung und neue Kraft für das 2021 geschenkt bekommen.

Kaplan Thomas Wiesner