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Wort zum Tag – 18.09.2026


18. September 2026

Futur II 

Die deutsche Sprache ist bisweilen eine schwere Sprache – selbst für Muttersprachler. Vor allem die Grammatik hat es in sich. Schülerinnen und Schüler plagen sich nicht nur mit Präteritum (ich betete) und Perfekt (ich habe gebetet), sondern es kommt auch noch das Plusquamperfekt (ich hatte gebetet) dazu. Sie lernen Indikativ (die Grundform des Verbs, beten) und Konjunktiv (Möglichkeitsform, ich würde beten) auseinanderzuhalten und Satzzeichen, Groß- und Kleinschreibung richtig einzusetzen. Mit Futur I, der Zukunftsform (ich werde beten), wissen die meisten sicherlich noch etwas anzufangen, aber erinnern Sie sich, dass wir mit dem Futur II (ich werde gebetet haben) die vollendete Zukunft zum Ausdruck bringen können?

Kürzlich ist mir ein Satz der Bibel wieder ins Bewusstsein gerückt, denn dort heißt es: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Ganz nüchtern und ohne lähmende Panik stellt der Beter fest: Es wird ein Ende meines irdischen Lebens geben. Es ist Zeit, Bilanz des bisherigen Lebens und Schaffens zu ziehen. Was ist an Gutem geworden? Welche Beziehungen spielen in meinem Leben eine bedeutende Rolle? Was habe ich bis jetzt mit meinen Talenten anfangen können? In manchen Dingen werden wir uns auf die Schulter klopfen können. Anderes, was uns belastet oder wofür wir uns schämen, wird womöglich unter den Teppich gekehrt.

Vom Ende her zu denken, das ist der kluge Rat der Bibel. Denn wer vom Ende ausgehend denkt, stellt die Weichen in seinem Leben anders, weil er dessen Begrenzung klar einkalkuliert. Auch wenn das eigene Lebensende unverfügbar ist, so kann doch das verbleibende Leben sinnreich und im Sinne der Nächsten- und Gottesliebe gefüllt werden.

Futur II, die vollendete Zukunft, hilft uns unserem Leben vom Ende denkend ein paar Aufträge ins Heute zu geben: Ich werde mich meinen Problemen gestellt haben. Ich werde vergeben und Liebe geübt haben. Ich werde geteilt haben. Ich werde Gott gedankt haben.

Unter diesem Vorzeichen wird mein Leben am Ende Tiefgang gehabt haben.

Pfarrerin Dorothea Schanz aus Großbothen, Kirchspiel Muldental

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