Wort zum Tag – 21.8.2026
21. August 2026
Urlaub mitten im Alltag
Im Flur liegt ein Beutel mit Muscheln, ein Stapel Bücher, die Wanderschuhe, die noch Erde an den Sohlen haben. Beim Legen der Wäsche – Sommerkleider, Wanderhosen, Handtücher – denke ich an Spaziergänge am Strand, an Bergerlebnisse, an Sonnenuntergänge, Spieleabende, verrückte Unternehmungen.
Ich erinnere mich an dieses Gefühl, ganz und gar in etwas aufzugehen: Beim gleichmäßigen Einstechen des Paddels gleitet das Boot ruhig voran. Im Trommelkurs tauche ich ein in den Rhythmus meiner Hände, vergesse, wo ich bin und was ich tue. Beim Wandern setze ich gleichmäßig Schritt um Schritt, höre den eigenen Atem, das Aufsetzen der Stöcke, steige Meter um Meter und verliere jedes Zeitgefühl.
Urlaubszeit ist eine Zeit besonderer Erfahrungen. Gern würde ich etwas von der Leichtigkeit und Tiefe der letzten Wochen mitnehmen in meinen Alltag.
Ich schaue mir meinen Alltag an und suche nach einer Struktur, die mir hilft, Atempausen einzubauen.
Eine halbe Stunde am Morgen wäre gut. Noch bevor ich in den Kalender schaue oder auf das Handy. Eine halbe Stunde nur für mich – im Garten oder an einem anderen guten Ort. Den Tag begrüßen, den Leib spüren, mit meinem Atem verbunden sein. Das tut mir gut.
Für andere passt diese halbe Stunde besser in die Mittagszeit oder in den Feierabend. Gut ist, wenn sie einen festen Platz hat, der durch nichts anderes besetzt wird. Denn diese Zeit ist eine heilige Zeit.
Für mich ist es die Zeit, in der ich allein bin mit Gott. Atmend, dankend, betend, spüre ich den Grund, der mich trägt. Diese halbe Stunde schenkt mir Kraft und Gelassenheit für das, was auf mich zukommt. Eine halbe Stunde Urlaub mitten im Alltag. Manche nennen es Meditation.
Dazu passt für mich folgendes Gebet, das auch vertont im Internet zu finden ist: God be in my head and in my understanding. God be in mine eyes and in my looking.
God be in my mouth and in my speaking. God be in my heart and in my thinking.
God be at mine end and in my departing. (Words from the Sarum Primers 1514, vertont von John Rutter)
Pfarrerin Ulrike Franke, Kirchgemeinde an Pleiße und Schnauder, Kirche im Strukturwandel